Wer nicht weiß wo er hin will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.
Monatsgrüße 03/2026
Das Jahr ist jung, die Vorsätze noch frisch und die Pläne für Haus, Garten, Urlaub usw. gerade in der Konkretisierungsphase. Wünsche und Ideen werden gesammelt, mit den grundlegenden Richtungen und Haltungen innerhalb der Familie abgeglichen und die dafür ans Ziel führenden Wege in Richtung Handwerker, Gartenmarkt oder Urlaubsportal beschritten, sofern nicht schon passiert. In der Unternehmensführung würde man das Ganze in zwei Schlachtbegriffe verpacken: Die Vision, die das übergreifende, dauerhafte Ziel beschreibt, das angestrebt wird und die Strategie als dazugehörige Entscheidung, auf welchem Weg die Vision am besten erreicht wird.
Zum Thema Visionen haben wir beim Neujahrsempfang Bezug genommen, als wir einen Blick nach vorn mit dem vagen Gedanken warfen, den geplanten Abriss des ehemaligen Schulhortes durch ein alternatives Nutzungskonzept abwenden zu können. (Den vollständigen Wortlaut finden Sie hier im Heft).
Mit Verweis auf die in den 90er Jahren vom damaligen Gemeinderat Mölkau formulierten „Leitlinien der zukünftigen Entwicklung“ unseres Ortes sollte dabei veranschaulicht werden, dass damals wie heute Ziele und Bedürfnisse ausschlaggebend sind, um unseren Ort weiterzuentwickeln – und zwar in die richtige Richtung.
Wer nicht weiß wo er hin will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt. (Mark Twain)
Als vor knapp einem Jahr das Stadtplanungsamt, Abt. Stadtentwicklung das von der Stadt entwickelte Projekt zur Entwicklung einer Strategie für die 14 eingemeindeten Ortschaften, kurz „Ortschaftsstrategie“, vorstellte und zur Diskussion lud, war das Interesse der Einwohner groß. Es gab einen Einblick in Ziele und Umfang des Vorhabens und in den bisherigen Erarbeitungsprozess. Man stellte an Themen-Wänden Ideen und Maßnahmen vor, die aus den Planungen der Stadt Leipzig und den Vorschlägen des Ortschaftsrats stammten. Die Beteiligten gaben in der Diskussion Hinweise dazu, stellten Fragen und machten darüber hinaus weitere Vorschläge.
Alles in allem eine ideale Basis, um die Weiterentwicklung unseres Ortes zielführend und behördenübergreifend voranzutreiben - wenn man so will, ein sich anbahnendes Update der erwähnten 90er Jahre-Leitlinien.
In der Februar-Sitzung des Ortschaftsrates stellte das Stadtplanungsamt das Ergebnis ihres ersten Entwurfs vor. Mit der „Ortschaftsstrategie für Mölkau“ soll eine integrierte Flächenbetrachtung durchgeführt und dabei untersucht werden, wie die Bedürfnisse der Einwohner mit den Anforderungen der wachsenden Stadt in Einklang gebracht werden können. Arbeitsgrundlage waren dabei Stadtratsbeschlüsse, Stadtentwicklungspläne- und -programme, Fach- und Haushaltsplanungen, eingegangene Anträge aus dem Ortschaftsrat sowie
die Diskussionen während der Eröffnungsveranstaltung. So verspricht es die Einleitung der noch nicht druckreifen Textversion zum vorgestellten Entwurf
T.rotz der Ankündigung zum Neujahrsempfang sind dem Aufruf zum Besuch dieser Vorstellungsrunde nur eine Handvoll Einwohner gefolgt. Ernüchternd, wie das Ergebnis schlussendlich selbst leider auch, denn inhaltlich punktet dieses nicht mit Überraschungen, Perspektiven oder Empfehlungen.
Die Ortschaftsstrategie ist – anders als manch einer vielleicht erwarten möchte – zuallererst eine aktuelle, ämterübergreifende und zusammenfassende Aufstellung aller bereits beschlossenen, sich in Bearbeitung befindlichen oder zukünftigen Planungsvorhaben – wenn man so will, eine SOLL-IST-Analyse inkl. Bearbeitungsstand aller Anträge und Wünsche des Ortschaftsrates Mölkau unter Hinzunahme stadtweiter Planungen. Aufgrund unterschiedlicher Arbeitsweisen der jeweiligen Ämter und Entscheider keine leichte Aufgabe, so dass das Ergebnis in jedem Fall eine detaillierte Übersicht und Grundlage weiteren Handelns darstellt.
Doch ist alles darin Verankerte im Wesentlichen nichts, was wir nicht schon wüssten:
- Dass der Verkehr in Mölkau ein Problem darstellt, ist allen Beteiligten bekannt. „Das MTA plant, wichtige Verkehrsachsen im Ort grundlegend auszubauen […] Lücken im Radwegenetz zu schließen“ und damit „die Verkehrssituation zu verbessern“. Instandsetzung von Straßenabschnitten „ist in dem Rahmenplan Mobilitätsstrategie eingeordnet“.
- Dass der Sportplatz des SV aus allen Nähten platzt und ein Alternativstandort wünschenswert, aber aufgrund fehlender Flächen nicht in Betracht kommt, wussten wir auch schon
- Beim Ersatzneubau auf dem ehemaligen Schulhortgelände wird auf Bekanntes wie die Kita-Strategie 2024 und einem Baustart in 2028/29 verwiesen. Von einem Abgleich mit geänderten Belegungszahlen und -bedarfen ist stattdessen nicht zu finden. Geschweige denn von den Umnutzungsvorschlägen des OR Mölkau.
Wir alle wissen, dass der Haushalt ächzt und Gelder kaum ausreichen. Doch statt mutiger Zielformulieren, die vermutlich eher auf ein Mölkau in 20 Jahren blicken würden, hat die Stadt nur den Fahrplan für Heute aufgezeigt. Jenes Heute, das wiederum teils schon vor 10 Jahren beantragt und beschlossen wurde und sich durch Verzug ins Hier und Jetzt sowie auf Folgejahre verschoben hat, aber im Zweifel nicht mehr den tatsächlichen Erfordernissen oder Entwicklungen nachkommt.
„Wer nicht weiß wo er hin will, darf sich nicht wundern, wenn er woanders ankommt.“
Und so bleiben leider in Anlehnung an das oben beschriebene Zusammenspiel zwischen Strategie und Vision grundlegende Fragen offen, die sich die Stadt Leipzig hätte bereits damals stellen müssen, als sie ihr Territorium durch die Eingemeindung erweiterte. Hatte sie keine Vorstellungskraft, wie sie sich ganz konkret die Entwicklung ihrer neu hinzugewonnenen Gebiete ausmalt, anstatt diese durch jahrelanges Nichtstun zu vernachlässigen oder durch Verdichtung und halbherzige Bebauungspläne umzukrempeln?
Wie soll sich aus Sicht der Stadt unser Ort unter Berücksichtigung seines gewachsenen grünen Siedlungscharakters im Idealfall entwickeln? Oder um ganz konkret zu fragen:
- Wie soll den Zuzugseffekten begegnet werden, wenn das Wohngebiet „Ziegelstraße in Baalsdorf“ entsteht?
- Was ist nötig, um die seit Jahren existierende marode Gebäudesubstanz an den Hauptstraßen zu beseitigen/zu sanieren, Baulücken zu schließen und vorrangig die Wohnbebauung in diesem Bereich anzuregen?
- Wie ist Industrie- und Gewerbeansiedlung zu steuern, damit auf Grüne-Wiese-Projekte verzichtet und stattdessen Areale wie das an der Gutberletstraße ausgelastet werden?
- Welche intelligenten Lösungen sind auf lange Sicht zielführend, um den Pendlerverkehr zu reduzieren. (Gemeint ist damit nicht das jahrelange Aussitzen eines Moratoriums, sondern nachhaltige Konzepte wie ein wirkungsvolles dichtes abgestimmtes Park and Ride-Netz an den Stadtgrenzen sowie Car- und Bike-Sharing-Systeme.)
- Wie kann man ergänzend dazu die Randlagen so in den ÖPNV integrieren, dass er für die Nutzer tatsächlich attraktiv ist. Oder besser andersherum: Wie kann der ÖPNV an die Randlagen und deren Querverbindungsbedarfe so angepasst werden, dass er mit der Kernstadt flüssig und nahtlos korrespondiert?
Stattdessen haben wir Pläne und vermeintliche Strategien, auf die wir uns seit Jahren versteifen und zu deren Änderung und Anpassung wir uns schwertun. Dabei merken wir leider nicht, dass wir uns als Gesellschaft damit keinen Gefallen tun.
Der Mensch beherrsche den Plan. Nicht umgekehrt.
Vielleicht keine so schlechte Strategie;-)
AWo
Kontakt Ortsvorsteher: klaus-ruprecht@kabelmail.de / 0157 31 67 41 81




