Nicht der Weg ist das Schwierige,

vielmehr ist das Schwierige der Weg.


Monatsgrüße 09/2025

Ferien haben doch so viel Gutes. Neben dem freizeit- und urlaubsschaffenden Effekt bei Schülern und Eltern sorgen sie auch für ein gewisses Maß an weniger geschäftigem Treiben auf Arbeit oder im Straßenverkehr – zumindest Letzteres zur Freude der Allgemeinheit. Mit Beginn der Schulzeit ist damit wie immer schlagartig Schluss. Blickt man in unseren Ort, kann man das deutlich am Geräuschpegel hören oder am trägen Verkehrsfluss beobachten. Im Bereich der Schule trifft das ganz besonders auf Nährboden, wird doch hier die Geografie in einem engen Zeitkorridor förmlich überstrapaziert. 

Allmorgendlich durchfährt ein Korso an Elterntaxis die schmale Schulstraße und stößt auf der Suche nach geeigneten Halteflächen zum Entsenden der Kinder an Grenzen. Und zwar physisch wie psychisch.So manche ausgiebig zelebrierte Abschiedszeremonie der Eltern von ihren Kindern (nicht umgekehrt!) dauert – erst recht, wenn man noch dazu als Erwachsener den Ranzen bis in den Klassenraum tragen will. Die wenigen Parkplätze an der Turnhalle reichen hier bei dieser Art der elterlichen Starthilfe in den Tag gerade einmal für eine Klasse.

Das Rangieren an all den Engstellen sowie das Manövrieren um die vielen zu Fuß oder per Rad eintreffenden Kinder führt des Öfteren zu brenzligen Situationen. Wen wundert es da, wenn mancher Chauffeur lieber gleich den Fußweg der Schulstraße als Entladezone beansprucht. Im morgendlichen Stress sind Bordsteinkanten, andere Schulkinder oder der nachrückende Verkehr eben reine Nebensache. Und wer was dagegen sagt, bekommt da im Zweifel eine passende Ansage.

Das gilt auch für die Nebenstraßen wie dem Elsterweg ggü. der Schulaula. Zugegeben – die Situation im Einmündungsbereich dort ist von der Bebauung her etwas ungünstig gelöst und die Trennung von privatem und öffentlichen Grund durch den Pflasterbelag nicht unbedingt für jeden sofort einleuchtend. Minutenlang unter Nutzung der Warnblinkanlage (und damit natürlich immer automatisch zum Irgendwo-Stehenbleiben berechtigt) das Auto führerlos im Einmündungsbereich und vor oder in Grundstückseinfahrten zurückzulassen, wird (mit Berufung auf die eigene Unschuldsvermutung) schon längst knallhart durchgezogen. Gleichwohl, wenn Schilder hier klare Regelungen vorgeben. Es gehört jedoch schon viel dazu, mitunter genau deswegen errichtete Absperrketten zu öffnen, um sich evtl. nicht vorhandenen Abstellplatz notfalls selbst zu verschaffen.

Noch mutiger und folgenschwerer ist es jedoch, schwungvoll den nichteinsehbaren Kurvenverlauf der Elsterstraße bis zum Ende zu folgen, um dort dann unter quietschenden Reifen mit Kind und Kegel den Parkvorgang für den Fußmarsch zur Kita Zwergenland abzuschließen. Wohlgemerkt, es handelt sich um eine Spielstraße. In der Fahrschulprüfung bedeutete das damals noch: unbedingt Schritt fahren, Situation aufgrund evtl. spielender Kinder genau beobachten und Parken (d.h. länger als 3 min Halten) außerhalb gekennzeichneter Flächen verboten! Fußgänger haben dazu Vorang und dürfen die ganze Straßenbreite nutzen. Längst aber sehen sich Anwohner und Passanten dieser gern genutzten Verbindung mit alternativen Fakten konfrontiert und erleben bei so manchem gutgemeinten Hinweis, wie es um die guten Sitten des Gegenüber dann doch steht. Für den gern gepriesenen Vorbildcharakter sei an dieser Stelle der Hinweis erlaubt: Wenn wir alles sagen, was wir denken, haben wir keine Freunde mehr.

In der letzten Ortschaftsratssitzung berichteten Anwohner des Elsterweges von zahlreichen Vorfällen und baten um Abhilfe - zumindest gegen die alltägliche ordnungswidrige Straßennutzung.

Doch die Zuständigkei des Ortschaftsrates in Sachen Schulstraße geht gegen Null. Verkehrsräume und ihre Belange sind Aufgabe der jeweiligen städtischen Behörden. Hier kann lediglich auf die durch eindeutige Verkehrszeichen bestehenden Vorschriften verwiesen werden.

Zudem kann man nur an Eltern bzw. mit dem Bringe- und Abholdienst der Kinder betrauten Erwachsenen appellieren, Vorbild zu sein in vielerlei Hinsicht. Das eigene Kind ist wohl das Wichtigste, aber dennoch nicht das Einzige auf der Welt. Von Zeit zu Zeit sind daher die Erwachsenen gefordert, das Visier ihres Helikopterhelmes zu öffnen, um zu erkennen, dass das eigene wohl gutgemeinte Handeln Andere wiederum gefährdet, beeinträchtigt oder dazu bringt, deren Kind nicht mehr alleine auf den Weg zu Schule oder in die Kita zu schicken (was wiederum noch mehr Verkehr nach sich zieht).

Kein Wunder, dass so manche Schule den Elterntaxitransit durch Ausweisung von elternfreien und speziell ausgewiesenen Eltern-Halte-Zonen zu unterbinden versucht. An einigen Leipziger Schulen weisen zumindest Hinweisschilder daraufhin, dass man das Klassenzimmer auch ohne elterlichen Beistand erreicht. „Ab hier schaffen wir das allein!“ könnte als Kampagne vielleicht auch an unserer Grundschule gut durchdacht dafür sorgen, dem Individualen Shuttleservice zumindest etwas Einhalt zu gebieten. Ansonsten darf man den Grundschülern mit Sicherheit das ein oder andere einfach auch zutrauen. 

Gleich wenn das eigene Zuhause weiter entfernt liegt oder die Wege von dort wo möglich gefährlicher sind, ist der Gang zu Fuß doch ein ganz anderer Start in den Tag. Alternative Möglichkeiten, die Kinder am Supermarkt-Parkplatz oder im nahen Wohngebiet abzusetzen, um den Rest des Weges allein zu beschreiten, gäbe es ja durchaus. Soweit mir bekannt, ist kein einziger meiner einstigen Mitschüler auf dem Weg zur Schule verloren gegangen – warum sollte das heute so anders geworden sein?

Hier und wie in so vielen anderen Bereichen gilt:


Nicht der Weg ist das Schwierige, vielmehr ist das Schwierige der Weg.


Worauf also warten – let‘s go.



AWo


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